Nein, vor der Wende habe ich ihn nicht gekannt. Seine Freundschaft steht ganz oben auf der Habenseite der Zeit danach. Ein wenig versöhnt sie mich mit den Verlusten. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich kein Theaterstück mehr angefasst, denn mein Theater fand noch in einer anderen Welt statt. Es war untergegangen mit dieser Welt.

"Geh mal zum Genosen Rump", soll Pfarrer Michael Gruhl zu Detlef gesagt haben, als dieser jemand für die Regie der Rockoper Jesus Christ Superstar suchte. So berichtet es jedenfalls Detlef, und ich habe noch keine Zeit gefunden, mich bei Michael Gruhl zu bedanken. Denn so kam ich zu Detlef und damit auch zum Rocktheater, das wir dann gründeten. Ausgerechnet dort gründeten, wo ich einige Jahre zuvor aufhören musste. Im Brennhaus, welches einmal das Schicht-Theater war.

So also kam ich wieder zum Theater: Detlef fragte mich dann und ich ging zu einer Probe, als hätte ich es schon immer so vorgehabt, und, was ich auch immer in diese Theatergruppe einbringen konnte, brachte ich ein. Der Frontmann war Detlef, und ich wusste, was das bedeutet, immer zu fordern und es auch von sich zu fordern, immer wieder den Motor anspringen zu lassen, in guten wie in schlechten Zeiten. Es bleibt nicht aus, dass man sich dabei überfordert, es bleibt nicht aus, dass man Mitstreiter nicht nur findet, sondern auch verliert. Ich weiß das auch. Aber eine Besonderheit möchte ich nennen, die, das Detlef meines Wissens nie den Erfolg vor die Menschen gestellt hat. Das ist auch selten, in diesem Metier. Ich habe das nicht immer so gekonnt.

Erinnere ich mich an eine Begebenheit, dann an die, als ich in einer persönlich komplizierten Situation Geburtstag hatte. Wir probten in der Nacht davor und Detlef bekam es irgendwie hin, die Probe so lang zu strecken, dass der neue Tag anbrach. Dann stand er da mit der Truppe und einer Geburtstagstorte. Ich war fassungslos. Vierundzwanzig Jahre ist das her. Unglaublich.

Detlef, wir haben alles Mögliche durch seit diesem Tag. Wir haben zusammen auf der Bühne gestanden, wir haben das Rocktheater gegründet und sogar wieder aufgelöst, was ich inzwischen fürchterlich bedauere, aber noch immer keine bessere Lösung hätte für die damalige Situation, wir haben Nächte lang geredet, wir haben auch versucht, dieser linken Partei Kultur beizubiegen, wir haben uns selbstverständlich auch gestritten und zusammen gefeiert, und du hast mir manchmal auch unerwartet aufgespielt, zusammen mit immer interessanten Leuten, Künstlern, mit meiner fast uralten Freundin Sabine zum Beispiel, mit der du mir zu meinem letzten Geburtstag sangest: "Summertime and the living is easy"

Möge es so sein.

Danke Detlef

 

Bernd Rump