Eine schöne Nachricht. Die Kulturfabrik Hoyerswerda hat einen Preis bekommen vom Ostsächsischen Sparkassenverband. Verein des Jahres. Das ist schon etwas. Es ist einfach erstaunlich, dass es immer wieder Leute gibt, die ausgerechnet in Hoyerswerda Kultur in die Hand nehmen – im ehemaligen Speiseraum- und -trakt eines ebenfalls ehemaligen Heimes für Kinder. Seit zehn Jahren nunmehr. Eine Idee, die schon in Berlin oder Dresden zu realisieren kein Leichtes ist oder wäre. Aber hier, abseits von überregionaler Wahrnehmung als nahezu ein Wunder erscheint. Ein eigenes Kulturhaus. Es ist egal wie klein oder groß es ist – es könnte schöner sein, größer, es könnte günstiger gelegen sein. Es könnte aber ohne diese wunderbar verrückten Akteure, ohne Uwe, ohne Pille, ohne Andreas ohne Helge und ohne die Truppe an der Theke und eine ganze Menge weiterer Leute nicht sein.
Hoyerswerda, eine Stadt, die einst über siebzigtausend Einwohner hatte und heute etwas mehr als dreißigtausend. Der Wandel traf wohl keine Stadt im Osten so wie diese Stadt. Einst das Herz der Industriegesellschaft, heute um mehr als die Hälfte geschrumpft. Die „hässlichste Stadt Deutschlands“, nannte man sie in der Financial World – oder „Stein gewordener Reißbretttraum sozialistischer Kaninchenzüchter“, so der Spiegel. – damals, als 1991 in dieser Stadt Ausländer gejagt wurden, worüber sich die Welt zurecht entsetzte. Ja, ausgerechnet dort gibt es immer wieder Kultur. Vieles dort ist für mich mit Gerhard Gundermann und seine Freunden verbunden, deren Versuchen, schon damals sich selbst und damit auch anderen etwas anzubieten, den Kindern, den Jugendlichen, den Klugen, den weniger klugen. Singen, Theaterspielen und danach gar zum Tanz. Es lebt also fort, erstaunlicherweise, wo doch so Vieles nicht fortlebt: verdient oder unverdient.

Auch an diesem Wochenende gibt es dort ein Liedermachertreffen. Die „Hoyschrecke“ wird verliehen und Liedermacherinnen und Macher haben sich angemeldet, zu kommen und sich vorzustellen. Wie in alten Zeiten, denke ich und freue mich: Auf die Gespräche, die Lieder, und auf Hoyerswerda überhaupt und die Leute, die ich treffen werde. Und sage: herzlichen Glückwunsch für diesen Preis. Ihr werdet damit wieder etwas mehr tun können für das, was so wichtig ist und zum Stoff, den man Leben nennt, gehört.

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