Die Festnahme von Julian Assange titelte BILD in dieser Woche einfach: Verräter gefasst. Was und wer ist ein Verräter? Zwei vergleichbare Begriffe fallen mir ein: der Vaterlandsverräter und der Volksverräter. Mit dem ersteren Begriff wurden einst die bedacht, die den Krieg nicht mehr mitmachen wollten, mit dem zweiten die Opfer Stalins. Verrat gilt als unmoralisch. Der Verräter ist vogelfrei. Verräter genannt zu werden ist eine moralische Denunziation. Die Festnahme von Assange hat offiziell nichts mit Wikileaks zu tun. Davon einmal abgesehen, dass er sich selbst gestellt hat. Aber darum geht es wohl auch gar nicht. Es geht um die Denunziation, um den Stempel: Verräter. Denn selbst, wenn man den Verrat liebt, den Verräter liebt man nicht. So das Sprichwort. Von einem Verräter soll man nichts annehmen. Natürlich auch nicht seine Informationen, Erkenntnisse. Nichts, was er sagt. Nicht einmal, wenn sie uns eigentlich zustünden in einer Demokratie und es gar nicht eines „Verrates“ bedürfen dürfte. Und wie weit ist es vom Verräter zum Vaterlandsverräter, zum Volksverräter? Wo kommen wir noch hin?