Die erste Nachricht des frischen Jahres. Meine Tochter schickt sie mir als SMS zusammen mit den guten Wünschen: Ein Mann zündet eine Autobombe in Alexandria nach einer koptischen Messe. 21 Menschen sterben. Ich war ja gerade in diesem Land und der Rucksack ist noch nicht einmal ausgepackt. Vor drei Tagen waren wir im koptischen Viertel in Kairo. Es hätte auch dort geschehen können oder da. Terror – vielleicht fasst der Begriff es nicht – das bedeutet, dass jederzeit an jedem Ort ein Sprengsatz gezündet werden kann. Einfach so, ohne politische Ziele, wie sie einst russische Anarchisten oder frühe Kämpfer der Fatah und anderer Organisationen hatten, die man oft fälschlicherweise als Terroristen bezeichnet. Heute geht es um etwas anderes. Um Terror als Selbstzweck, Terror als Selbstwert, einfach als Machtdemonstration, Terror als Verneinung von Leben. Der Tod, das Töten wird zu einem Ziel an und für sich. Mit Mephsto gesprochen: Alles sei Wert, dass es zugrunde geht. Das ist nicht unbedingt etwas Neues in der Menschheitsgeschichte, aber es erscheint neu in einer Zivilisation, die im Grunde auf das Leben baut – oder dies zu tun zumindest von sich glaubt. Alle Weltreligionen verkünden hier dasselbe. Terrorismus aber – gleich worauf er sich beruft - folgt einer anderen Logik. Sie heißt: Der Tod ist das Ziel. Tod zu bringen, verleiht Macht – die Macht über Leben und Tod, eine größere gibt es nicht. Wie auch immer aus Menschen Terroristen werden, eines frage ich mich: Was muss geschehen, damit das Leben so Unwert gefunden wird, um es so gänzlich zu verneinen. Was ist in dieser Welt so falsch angelegt, dass es die Prediger des Todes so leicht haben, Rekruten zu gewinnen? Denn Terror entsteht ja in der Welt und die Bombenleger sind mitnichten Revolutionäre sondern eher der negativste Ausdruck des Negativen, eben der Ungerechtigkeit und absoluten Ungleichheit. Das System in die Luft zu sprengen erhält es. Das ist das Paradox.
Dass das Leben nicht lebenswert sei, das gab es schon in der Antike. Es mag ein Trost sein, dass sich die dem anhängenden Bewegungen von selbst zum Aussterben verurteilten. Niemals aber für die Opfer.