Es sei allemal besser, eine Revolution zu machen als darüber zu schreiben. So ähnlich formulierte es Friedrich Engels. Allerdings wusste er wohl noch nicht, wie sehr das darüber schreiben über das machen bestimmend werden könnte. Wir haben am TV eine Revolution erlebt. Anfangs sehr spärlich und unsicher. Was ist denn das für ein Aufstand, wer sind die Akteure? Irgendwelche Namen wurden eingeführt, die den Europäern wohl in den Kopf kamen. Welche Parteien? Natürlich müssen Parteien sein. Und so nahmen die Vermutungen über die Rolle der Muslimbrüder einen Gutteil der Talks ein. Erst langsam dämmerte es: Offenbar gibt es da eine Jugend von der wir nichts wissen. Die ohne das Verbrennen von israelischen oder amerikanischen Fahnen zu zelebrieren und ohne Führer – und Gefolgschaft miteinander kommuniziert und sich so versammelt und nicht mehr weggeht – egal wer sie dazu auffordert. Und selbst als das Internet abgeschaltet wird und die Handys keine SMS mehr hergeben – wohl auch Dank Vodavone – machen die Jungen weiter, mithilfe von Google und Twitter: und schreiben. Eine Revolution über Facebook? Nein, das sei keine Revolution kommt es einerseits mir zu Ohren während andererseits diese Revolution nun plötzlich die weiße genannt wird und mit der gelben verglichen und dem Herbst 89 in Deutschland. Freilich, es lässt sich alles vergleichen. Und vergleichen lässt sich ganz gewiss das Erstaunen der Politiker samt ihrer politologischen Institute, dann das zögern, lavieren und so kurz vorm Erfolg das Gebaren von Überläufern. Nun werden die Revolutionäre gefeiert während sie natürlich selbst feiern. Und darauf folgen die weisen Ratschläge unter dem Aspekt ihrer Interessen. Man muss sich nur die Außenkommissarin der EU anhören. Bis nach Kairo ist sie wirklich nicht vorgedrungen. Aber was hätte sie dort auch sagen können. Jetzt ist das freilich einfach. Revolutionen haben ihr Schicksal und dies beginnt mit den Berichten über sie. Die Meinung folgt der veröffentlichten Meinung. Das Neue ist wohl nicht in einem Satz zu fassen. Aber dass Staaten und ihre Regime in diesem Jahrhundert nicht mehr so einfach das Denken und Schreiben kontrollieren können ist sicherlich neu. Dank Cyberworld. Dass die Herrschenden die Dauer ihrer Herrschaft gern für die Ewigkeit halten ist nicht neu, aber es ist neu, dass sie das Ende öfter selbst erleben. Und dass der Satz des Patriarchen, geht nachhause, so einfach beantwortet wird: hier sieh die Schuhe, hau ab.