Gestern wurde ich in einer Mail aufgefordert heute zur Synagoge zu kommen um sie zu schützen. Als ich zurück schreiben wollte, dass ich vor hätte an einem anderen Ort zu stehen, fiel mit plötzlich ein, dass es eine Schande sei, dass Synagogen schon wieder geschützt werden müssen. Und der Satz aus dem Film „das Urteil von Nürnberg“ fällt mir ein: Sind wieder so weit?
Warum dürfen Nazis hierzulande marschieren? Warum erfolgt regelmäßig jenes Spiel, dass die Kommunen braune Aufmärsche nicht genehmigen, die aber dann doch im gerichtlichen Eilverfahren genehmigt werden? Warum werden tausende Polizisten aufgeboten zu deren Schutz? Zahle ich dafür die Steuern? Das Recht sei nun einmal so, höre ich. Und das Recht sei doch ein hohes Gut. Tatsächlich ist es das – aber wer setzt das Recht?
Es mag geltendes Recht sei, dass Nazis marschieren dürfen aber das heißt nicht, dass dieses Recht richtig ist. Es ist eine rechte Schande. Und dass die Politik schon Jahrzehnte lang nicht handelt um das Richtige zu Recht werden zu lassen ist ebenso eine Schande.
Und dass zehntausende Menschen nach Dresden kommen müssen um mit dafür zu sorgen, dass die braune Schickeria nicht so zum Zuge kommt, wie sie es will, das ist eigentlich eine traurige Angelegenheit. Auch dann, wenn wir dann dabei nicht mit bierernsten Gesichtern herumlaufen, wenn die Demo buchstäblich tanzt, wenn der Konstantin Wecker singt, wenn wir uns vor den heruntergeklappten Helmen nicht das Leben miesmachen lassen und die Extremismuskeule der Ideologen selbst meinen Zahnarzt nicht mehr abhält, dabei zu sein.
Es gäbe sicher schönere Angelegenheiten für eine Demo – es gäbe aber keine Wichtigere.
Danke also. Danke, dass ihr gekommen seid um sie uns mit vom Halse zu halten. Und nur eines wäre noch besser: wenn diejenigen, die es könnten, sie uns vom Halse schaffen würden. Aber ich fürchte, das wird noch eine Weile dauern.