Gestern hab ich nicht geschafft was ich wollte. Die Bilder und Nachrichten im Fernsehen waren stärker. Wir glauben immer, dass alles klar sei. Wir versuchen immer, zu rechnen. Ein Irrtum. In der Chaostheorie gibt es den Flügelschlag eines Schmetterlings, der alles anders machen könnte. Mathematisch ist das exakt - aber ziemlich unwahrscheinlich und hat nichts Praktisches. Wenn es aber eintritt, dann sind wir irgendwie eigenartig, weil wir versuchen, es mit unserer Erfahrung einzuordnen. Und das machen die Talkshows weil sie ja etwas machen müssen. Aber was wirklich geschieht wissen wir nicht und die Fachleute auch nicht. Und die Planer haben gerechnet, dass die Kernkraftwerke ein beben bis zur Stärke acht Komma zwei aushalten müssen. Aber jetzt kommt eine neun und die neun war nicht vorgesehen. Was machen wir, wenn wir etwas nicht vorgesehen haben? Meistens werden wir es verdrängen weil wir lieber so weiterleben wie gehabt. Das ist vernünftig mit unserer beschränkten Vernunft. Aber was wäre die Alternative? Können wir uns umstellen und mit welchen Risiken wäre das verbunden? Wie sollen und können 120 Millionen Menschen auf einer Insel ohne nennenswerte Rohstoffe anders leben? Ohne einen Rückfall in barbarische Zeiten natürlich. All das zeigt, wie verletzlich unsere Zivilisation ist und wie wenig an dem gearbeitet wird, was man Alternativen nennen könnte. In zehn Jahren werden wir vielleicht fast 10 Milliarden Menschen auf dem Planeten sein. Und jeder davon hat das Recht auf seinen Glücksanspruch. Und dieser ist nicht nur ideell, sondern sehr materiell zu verstehen. Es beginnt mit den scheinbar einfachsten Dingen: Wasser, saubere Luft, Nahrung. Aber es hört damit nicht auf. Wie viel Energie benötigt ein Mensch? Und wer legt das fest? Und wer will schon eine Gesellschaft, in der irgendwelche hohe Herren den anderen zuschreiben, was ihnen zukommt an Leiden und Genüssen. Ein solcher Versuch ist ja vor zwanzig Jahren gescheitert. Oder schon früher? Ich lese bei facebook wieder einmal, dass das Kapital schuld sei und merke, dass ich keine Lust mehr auf die einfachen Antworten habe. Nicht einmal mehr auf diejenigen, die stimmen. Um es besser zu sagen: Die einfachen Antworten sind meistens nicht ganz falsch. Aber sie sind ziemlich unbrauchbar für eine Antwort darauf, wie wir denn anders leben könnten. Aber mit der Frage wäre wenigstens zu beginnen, nicht zum ersten mal.