Gregor Gysi ist doch immer für Überraschungen gut. So ganz nebenbei spricht er von einer Wiederkehr Lafontaines auf die Bühne der Bundesrepublik. Erstaunlich klar antworten einhellig ihm die Amtsinhaber der LINKEN, dass sie davon nicht viel hielten. Gysi wiederum stellte seinen Vorschlag unter den Vorbehalt einer Notlage, die er aber derzeit auch nicht sähe. Warum also so ein Gerede?
Ein wenig verdeckt vom steilen Absturz der Liberalen stellt sich der Weg der LINKEN seit einiger Zeit weniger dramatisch dar. Es geht einfach Stück um Stück abwärts: von Sonntagsfrage zu Sonntagsfrage. Eine Rot-Grüne Option bedürfte des Dunkelroten nicht mehr. Die Ziele der jüngsten Wahlen wurden allesamt kräftig verfehlt, die Debatten um den Porsche des Vorsitzenden und die Kommunismusdiskussion um Frau Lötzsch taten nichts dazu, die Lage der Partei zu bessern, im Gegenteil. Die LINKE erweist sich als ein Konglomerat, welches sich in Strömungen ohne Hauptstrom ergeht. Die Programmdebatte, falls man das überhaupt so nennen kann ist nur ein Ausdruck einer Partei, die derzeit ihre Position nicht bestimmen kann. Nicht, indem sie die Themen anderer radikal zu überbieten sucht, aber auch nicht, in dem sie
Logisch also, dass wieder einmal der Ruf nach dem starken Mann, und Lafontaine ist ein solcher, laut wird. Gysi, talentierte Taktiker und der gestandene Stratege Lafontaine könnten, so interpretiere ich einmal den Gedanken könnten also wieder einmal die Sache reißen. Vielleicht könnten sie es sogar, aber ich bezweifle, dass diese Altvorderen das eigentliche Problem angehen könnten und würden. Und so käme vielleicht eine Stabilisierung der Lage heraus – bis zum nächsten Abgang bis zum nächsten Herzinfarkt oder... oder.
Die LINKE ist unwillig und vielleicht derzeit sogar unvermögend, die Welt wahrzunehmen, wie sie ist. Das betrifft durchaus auch andere Parteien und deren Politiker: Nur im Unterschied zu diesen besteht ja der linke Konsens noch immer darin eine andere Welt möglich machen zu wollen. Aber genau dieses kann zum Witz verkommen wenn die Realität nur mit einem halbblinden Auge gesehen wird. Dieses halbblind zeigte sich nie so deutlich wie im Programmentwurf. Man kann einen Großteil in etwa so treffend beschreiben: die Welt als Hölle.
Eine Hölle lässt sich schwerlich reformieren und die Wege zum Himmel dürften daraus unauffindbar sein. Das Irdische aber, die Widersprüche, die treibenden Kräfte kommen in den sogenannten Analysen der Politik kaum noch vor. Eine Linke ohne Dialektik aber wird kraftlos. Das Denken erstarrt.
Eben das ist das Problem der LINKEN. Ihre Politiker haben Denken und Handeln für die Partei übernommen. Dies akzeptiert, wäre Lafontaines Rückkehr zu wünschen. Er ist sich schließlich selbst Programm genug. Nur, nach alldem, was unter seiner (und Gysis) Ägide stattgefunden hat bliebe so mit ziemlicher Sicherheit zu sagen, dass es die Erstarrung nicht lösen würde weil dieses Duo gar nicht verstünde worüber ich rede.