Lothar Bisky ist 70 geworden. Wer ihn kennt, wird wissen, was ihm die Linke in Deutschland zu verdanken hat. Wer ihn nicht kennt, hat etwas verpasst. Er ist vielleicht der einzige Politiker, dem man Glauben schenken kann. Er wurde zweimal Parteivorsitzender als es anders nicht ging. Er hatte sich nicht darum beworben und er hatte sich auch nicht geziert bitten lassen. Nach seinem ersten Rücktritt nannte ihn eine Zeitung den seltsamsten Parteivorsitzenden in Deutschland. Das ist er auch geblieben. Er war nie ein brillanter Redner und absolvierte die entsprechenden Aufgaben auch nicht gerade mit Inbrunst. Er war auch nicht auf Sitzungen versessen aber er war geduldig, weil er wusste, dass sie eben dazu gehören. Er war vor allem ein Zuhörer. Für jedermann. Im Grunde ist er geblieben, was er immer sein wollte, ein guter Lehrer. Und er blieb auch dort, wo er immer sein wollte: bei den Leuten. Da war er hergekommen. Aus einer Kate. Was die Linke betrifft, so hat er wohl einen einzigen Kampf verloren. Allerdings den ihm Wichtigsten, den um eine Kultur. Eine Kultur, frei von Denunziationen und Besserwisserei. Er hat den Demokratischen Sozialismus nicht erfunden und das auch nie von sich behauptet. Aber er hat als Politiker versucht, ihn zu leben. Wenn einer in dieser Partei Ernst gemacht hat mit dem libertären Sozialismus, dann er. Dass es ohne Freiheit keine Gleichheit geben kann und auch gar keine Gerechtigkeit muss man Lothar Bisky nicht erst erzählen. Vielleicht hat seine Partei noch so viel Verstand, um das zu verstehen. Es wäre sonst um sie schade, weil es vor allem ein Schade wäre für diejenigen, die sie brauchen könnten: die Leute, die eher unten sind als oben.