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Um Lyrik geht es sicher nicht. Diese war auch nie die größte Stärke von Günter Grass. Es geht eigentlich um einen sehr einfachen Vorschlag, etwas zu tun, bevor wir in einen neuen Krieg hineinrasseln: Die unbewiesene Atombombe des Iran und die nicht dementierte Atombombe Israels erst einmal zu erkunden und hernach beide abzuschaffen. Ein sehr vernünftiger Vorschlag, finde ich. Ob er realisierbar ist, mag man unterschiedlich bewerten. Was aber dieser Vorschlag mit Antisemitismus zu tun haben soll ist mir wirklich nicht einsichtig. Es sei denn, man verfährt nach dem Motto, jede Kritik an der Politik Israels als antisemitisch zu denunzieren. Und wenn der israelische Regierungschef auch sofort wieder zu dieser Methode greift, in dem er sofort an Grass kurze Mitgliedschaft in der sogenannten Waffen-SS erinnert, dann zeigt dies genug. Günter Grass weiß noch etwas von der Pflicht der Dichter, über die Dinge zu sprechen, einer Pflicht, der sich die meisten Intellektuellen deutschsprachiger Zunge seit langem entziehen. Einmal abgesehen von Peter Handke, der aber ja damit auch eine Unperson geworden ist der vereinigten Republik. Sollte es Günter Grass nun genauso ergehen, glaube ich, dass ihn das wahrscheinlich nicht besonders beeindrucken wird. Denn auch das hat eine Tradition in Deutschland an die in diesem ganzen Feldgeschrei dringend erinnert werden sollte.