So titelte Newsweek nach dem neuerlichen Wahlsieg Obamas. Und möglicherweise bringt das mehr die Wirklichkeit auf den Punkt als der unmittelbare Anlass vermuten lässt. Schauen wir zurück, dann können wir schon feststellen, das die Geschichte bis vor kurzer Zeit einige Jahrhunderte lang von Weißen gemacht wurde. Die Geschichte der Moderne war weiß. Ob man mit Kolumbus beginnt oder mit dem Edikt eines chinesischen Kaisers, die größte Flotte der Erde abzutakeln. Und auch die jüngere Geschichte, die Geschichte der Revolutionen, der zwei Weltkriege und die des kalten Kriegs war im Grunde eine Sache des Nordens, der Europäer, der Nordamerikaner. Mit dem Fall der Mauer schien der Ausgang der Geschichte entschieden...

Aber in den gut zwanzig Jahren seitdem sind alle diejenigen auf den Plan getreten, deren Wirken bis dahin nicht viel mehr als eine Fußnote der Weltgeschichte gegolten hatten. Die, die noch am Anfang des vergangen Jahrhunderts als Anhängsel der großen Mächte, als Kolonien, Halbkolonien, Bananenrepubliken kaum die Geschichte bestimmten, traten auf den Bühne. Anfangs und noch auf den ersten Blick betrachtet als Paladine der weltgeschichtlichen Akteure, aber zunehmend mit eigenem Gewicht. Franz Fanon nannte sie damals die Verdammten der Erde. Noch traten sie in den Gewändern und Rollen auf, die sie sich aus den Dramen der Großen abgeschaut hatten. Zumeist in den kleineren Rollen. Aber nur eine kleine Weile schien es so als würden sie nur ein Anhängsel sein der sich belauernden, bekämpfenden, miteinander ringenden, koexistierenden und zugleich das letzte Gefecht austragenden Giganten. Aber eben in dem Moment, da diese ihren Kampf entschieden hatten, war es plötzlich nicht so, wie die meisten gemeint hatten, dass es kommen würde...

Nein, das amerikanische Jahrtausend hatte nicht begonnen, kein Kaiser Augustus hatte den nächsten Jahrhunderten den großen Frieden verkünden können. Mühsam setzte die verbliebene Weltmacht ihre Maschinerie in Gang. Aber diese war war plötzlich entwertet und kaum bezahlbar geworden, schwerfällig, trotz der modernsten Chips, trotz der großen Intelligenz ihrer Ingenieure. Freilich sie überrannten das Zweistromland gleich zweimal aber mit jedem Sieg stiegen die Kosten. So kamen die anderen zum Zuge, langsam und bedächtig der gewaltige Drache, andere auf ihre Weise. Jetzt begannen sie sich es zurück zu holen, was ihnen einst verloren war. Schritt für Schritt und mit Rückschlägen freilich, aber unaufhaltsam wie eine Wetterfront. Lange genug war Geschichte aufgehalten worden, aber nun brach sie mit Macht die Verkrustung, den Stillstand...

Freilich war es anders, als je gedacht worden war. Sie gingen nicht mit ihren Messern durch die Schlafzimmer. Denn sie hatten gelernt aus den Fortschritten und Jahrhundertschritten. die unbestreitbar im Norden gegangen worden waren. Sie hatten sie studiert und kopiert. Und sie hatten sich dabei freilich erinnert ihrer eigene Geschichte voll vergangener Größe. Sie wussten, was ihnen weggenommen worden war und zugemutet. Fußnoten waren sie geworden, Sklaven gewesen. Verträge hatten ihre Könige einst mit den Weißen geschlossen und diese waren nicht von ihnen gebrochen worden, sondern von denen, die für alle Zeiten gedachten die Erde zu besitzen. Ihre Waffen waren modern gewesen und ihre Massaker schrecklich. Nun aber waren sie am Zuge, sie hatten aufgeholt und sie würden gründlich ihre Vorteile nutzen, auch die Vorteile ihrer Armut. Sie würden nicht mit ihren Armeen kommen und sich verkämpfen, sondern mit ihren Waren, ihren Produkten. Einige jedenfalls würden es so machen, andere würden ihrer Armut anders entfliehen. Sie würden über die Grenzen gelangen, wie oft sie auch abgewiesen würden. Und die Welt würde sich mischen. Nein, nicht ohne Verluste könne das geschehen, nicht ohne Rückschläge und Rückfälle in die alten Muster. Nicht ohne Verirrungen und Verwirrungen. Revolutionen würden ihre Schicksale haben und erstaunliche unvorhersehbare Wendungen würden eintreten. Aber empor würden sie kommen mit ihrem Anspruch auf das Glück eines jeden und jeder...

Aber jetzt erst würden die großen Ideen des Westens auf den Prüfstand gelangen: Dass alle gleich an Rechten geboren seien, ganz gleich welcher Farbe der Haut, welchen Geschlechtes und vor welchem Gott oder auch nur vor einander. Und das niemand über andere gesetzt sei und so jeder frei sein müsste dass alle frei sein könnten. Das wäre die Gegenleistung für das vergangene halbe Jahrtausend. Die Freiheit, die sich so einfach dahin sagt und schwer zu machen ist...

Das war am Anfang des ersten Jahrhunderts des dritten Jahrtausends nach der alten römischen Rechnung. Von nun an also begann ein anderes Kapitel. Darum ging es jetzt. Es hatte nicht, und jedenfalls nie so in den Lehrbüchern gestanden, die die Epoche beschreiben wollten. Es war auch nicht in den alten Machtzentralen ausgegeben worden, ganz gleich in welchen Mündern diese Worte entstanden waren, sie gehörten nun allen. Es hatte einfach begonnen und es lag nunmehr auch an allen, wie es weitergehen würde und wohin.