Es ist Krieg. Und jeder begehrt, nicht schuld daran zu sein. Jede Waffenruhe hält nur ein paar Stunden. Die Beteiligten beschuldigen sich immer wechselseitig. Wir sind im 21. Jahrhundert.

Im 20. noch glaubten wir, es könne vorbei sein mit den Kriegen. Der Krieg, sagten wir, als Mittel der Politik habe er eigentlich aufgehört - nur ein paar Verrückte sähen das noch anders.

Der Verrückten sind Viele geworden. Kein Erdteil ist vor ihnen sicher. Der Krieg breitet sich aus wie ein Fieber, noch bevor er ausbricht ist er gegenwärtig: In der Sprache der Zeitungen, der Medienmoderatoren wie auch der des Internets. Alle plappern, als möchten sie schon dabei sein, oder als ob sie alles wüssten. Meistens wissen sie nichts, nicht weil sie dumm wären, sondern weil sie borniert sind. Sie haben keine Zeit zum Nachdenken, sie müssen up to date sein. Und eloquent. Und so sind die Guten gut und die Bösen böse. Die Rollen sind von vornherein festgelegt. Die Russen, zum Beispiel, tragen schon wieder ein Messer zwischen den Zähnen. Solche Bilder entstanden schon vor Neunzehnhundert und Vierzehn. Schon vor hundert Jahren. Damals war auch Krieg: die Serben waren damals an Allem schuld. Danach waren es die Deutschen, so wurde in Versailles erklärt. Heute vermeint man, damals, da seien alle Schlafwandler gewesen. Die an den Hebeln saßen. Mir geht es hier nicht um das gleichnamige Buch von Clark, mir geht es darum, dass es so aussieht, als seien wir gerade mal hundert Jahre danach wieder von diese Schlafkrankheit befallen. Der Schlaf der Vernunft gebärt Ungeheuer, skizzierte Goya. Dem ist noch immer nichts hinzu zu fügen. Die Politiker Europas gehen herum, als seien sie irgendwie im Rausch. Habt ihr etwa genug vom Frieden, möchte man fragen. Natürlich ist das ungerecht, keiner will wirklich Krieg. Aber wer will Frieden? Das scheint mir die Frage zu sein. Die Minen mindestens einen Jahrhunderts liegen nämlich nur so herum, nicht nur, wie buchstäblich, in Afrika. Sie zu zünden ist jederzeit möglich, ob im Nahen Osten, auf dem Balkan, an der Schwarzmeerküste, im Kaukasus. Den Hindukusch nicht zu vergessen und die Sahelzone und so weiter. Und Interessenten dafür gibt es und gute Gründe sowieso. Die Welt ist ungerecht. Ja, das ist sie. Nur, sie wird nicht gerechter durch Krieg. Das wenigstens glaubten wir am Ende des letzten Jahrhunderts verstanden zu haben. Mitnichten, es war ein Irrtum. Heute ist Krieg und morgen wird Krieg sein. Auch übermorgen. Wahrscheinlich ist er unausweichlich wahrscheinlich. Wir werden wieder die Bilder sehen. Flügelbomben werden einschlagen, Sie werden präzise treffen und an den Bildschirmen wird es aussehen wie vor einer X-Box. Ein wenig später vernehmen wir von der asymmetrischen Antwort; ein rigides Massaker oder so ähnlich. Das ist der ganze Fortschritt seit hundert Jahren. Berta von Suttner konnte damals nur rufen: Die Waffen nieder. Im Grunde können wir auch nicht mehr. Aber wir sollten  wenigstens das tun.