Ein Gespenst geht um in Dresden. Es hat einen Namen: Pegida. Es spaziert im Dunkeln, abends, an den Montagen. Was es will, ist unscharf. Ist es gefährlich? Wenn ja, für wen? Wenn nein, was will es? Wird es befragt, schweigt es. Was geschrieben steht ist mehrdeutig. Was die Politik zu ihnen sagt, ist ihnen gleichgültig. Sie sind fertig mit ihr. Sie reden nicht mit ihr. Sie misstrauen dem System, den Parteien zuerst. Rassisten, nennt sie die Kanzlerin. Sind sie das? Nazis, kommt es von der Linken. Stimmt das? Ist es der Stammtisch, der auf die Straße geht? Auch der: natürlich. Aber was ist los? Ist das alles? Oder ist es mehr? Sie protestieren. Wogegen. Gegen den Islam? Gegen Ausländer? Gegen welche Bedrohung? Fühlen sie sich bedroht? Wenn ja, wodurch. Durch wen?

Reich sind sie nicht? Sind sie arm? Sind sie schon abgestiegen? Fürchten sie den Abstieg? Ja, sie fürchten den Abstieg: Er steht ihnen bevor. Sie ahnen es. Sie wissen es. Sie kennen die Jobcenter und die Steuerämter. Sie fühlen sich betrogen. Sie sind vor einem viertel Jahrhundert den Sprüchen aufgesessen über die blühenden Landschaften. Die Landschaften sind an ihnen vorbei gegangen. Die Montage von damals haben sie nicht vergessen. Und es wieder Montag. Nur die Zeit ist eine andere. Wissen sie das nicht? Doch, sie wissen es. Sie wissen nur nicht, wie es anders ginge. Sie haben Angst. Der Spaziergang befreit sie. Von dem Gefühl, dass sie nichts tun. Das sie gar nichts tun können. Woher kommt diese Angst?

Sie können lesen und schreiben. Sie sehen Fernsehen. Sie lesen Zeitungen: Die Welt geht kaputt,  warum sollen wir mit kaputt gehen? Das ist ihr Untertext. Sie hoffen auf gestern und sie sind von gestern. Aber sie haben Recht wo sie Recht haben: In der Furcht vor Kriegen. In ihrem Unglauben an die Politik. In ihrer Wut auf die Ämter. Und ihrer Furcht vor dem Rückfall in die Fänge der Religionen. Sie sind Ostdeutsche, sie glauben  nicht gerne. Wie schon gesagt: Sie sind von gestern, doch ein vorgestern wollen sie nicht. Noch nicht.

Ein Gespenst geht um in Dresden. Es hat einen komischen Namen. Es ist zu belächeln. Es ist nicht zum Lachen. Ist es das Volk? Ist es der Mob? Es ist nicht der Mob. Es ist nicht das Volk. Es ist das Fazit der Verzagten. Es ist das Echo des Versagens. Es zwingt den Zustand zum Tanzen. Es spaziert jeden Montag.

Es weiß selbst nicht was es meint. Wenn es zu sich kommt werden wir es wissen.